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Patricia Haun
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Das wahre Wachstum
von Patricia Haun © Rheinischer Merkur Nr. 29, 20.07.2006 Dass es Menschen gibt, die sich aus christlichem Antrieb heraus für andere und letztlich für die Gesellschaft einsetzen, konnte man am vergangenen Wochenende auf Burg Rothenfels im Spessart erleben. Sie kamen unter dem Motto „Chancen für Kinder – Hoffnung auf Zukunft – Impulse für die Politik“ zusammen, eingeladen von der Kinderpsychologin, Buchautorin und RM-Mitherausgeberin Christa Meves. Der von ihr initiierte Verein „Verantwortung für die Familie“ setzt sich konkret für die Zukunft unseres Landes ein.
Renommierte Fachleute bestätigten auf Burg Rothenfels die jahrzehntealten Prognosen der Mahnerin wider den Zeitgeist, die durch die gegenwärtigen Erfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen – leider, muss man sagen – belegbar sind. Obwohl viele düstere Tatsachen beim Namen genannt wurden und man angesichts der politischen Lage in Resignation verfallen könnte, war von Untergangsstimmung in diesem Kreis nichts zu spüren. Die rund 500 Teilnehmer, viele Familien darunter, sind sichtlich von Lebensfreude erfüllt. In dieser Burg, die noch der Geist Romano Guardinis durchweht, wurden Pläne geschmiedet, um die Zukunft unseres Landes zu retten, die in den Kindern und damit in den Familien liegt. Der Gegner, der sich fast unmerklich über Jahrzehnte in die Gesellschaft eingeschlichen hat, von einigen wenigen erkannt, die aber bald als Narren oder Spielverderber mundtot gemacht wurden, hat einen Namen. Er lautet: „Kultur des Todes“. Von Kulturrevolution sprach man also hinter dicken Burgmauern, Werteverlust, verloren gegebenem Nationalstolz. Warum nicht Flagge zeigen, wie bei der Fußball-WM geschehen? Dies kam auch bei „Fußball-Gegnern“ sehr gut an. Warum? Weil dieser neu gewonnene Nationalstolz auf Gastfreundschaft und Fairness basierte. Traurige Rechnung Einigkeit herrschte darüber, dass die Familien als Keimzelle der Zukunft Deutschlands besonders gestärkt werden müssen. Aber bezahlen, gar bestechen lassen für das Kinderkriegen? Dies erwecke den Eindruck, dass es schon eine sehr unangenehme Sache sein müsse, Familie zu haben, wenn man dafür so viel Geld erhalte, wie Professor Klaus Berger humorvoll formulierte. Früher bedeutete Kinderreichtum Sicherheit. Heute sind Mütter zwar durch das Sozialsystem gesichert, aber sie erhalten kein Einkommen. Die traurige Rechnung unserer Rentenkassen lautet: Die Mutter zahlt keine Beiträge, also hat sie zum Generationenvertrag nichts beigetragen. Wie paradox. Nicht Bezahlung und Bürokratie ist gefragt, sondern Gerechtigkeit und Anerkennung. Wieder Tugenden, die nicht mit Geld zu bezahlen sind. Nicht reiche Singles und auch keine reichen Familien braucht das Land, sondern Kinder, die in einer Familie mit möglichst vielen Geschwistern aufwachsen. „Verantwortung für Kinder ist Verantwortung für Werte“ lautete denn auch der Vortrag von Professor Paul Kirchhof, der das Ziel eines wertegeprägten Staates vor Augen hat. Kinder bedeuten Zukunft. „Wir versagen in dieser so wichtigen Frage“, sagt Kirchhof. Er ruft dazu auf, die ganze Kraft des Rechts und des Geldes im Staat einzusetzen, um unsere Zukunft zu retten. Umfragen ergäben, dass der Wunsch nach Kindern und Enkeln da sei, sich die Menschen aber dagegen entschieden, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmten. Kirchhof forderte die Anerkennung derer, die die wertvollste Leistung für unsere Gesellschaft erbringen. So kamen alle Referenten bei unterschiedlicher Themenstellung zum Ergebnis, dass es nötig sei, die Mütter auf vielfache Weise zu stärken. „Wollen wir eine im Erwerbserfolg sterbende oder eine im Kind vitale Gesellschaft sein?“, fragt Kirchhof. Wir wollen wachsen. Wachstum beginnt beim Kind. Wenn das Kind nicht wächst, gehen Wirtschaft, Kultur, Geschichte, Sprache und Religion zugrunde. „Kämpfen wir also für mehr Wachstum“, lautet sein Fazit. Mit Geld hat die Gesellschaft sich eine „Schein“-Welt geschaffen. Aber wo ist die Unbeschwertheit, das Kinderlachen geblieben? Wo ist die helfende Hand, auf die wir uns im Alter stützen, die Hand unserer eigenen Kinder und Enkel? Und auch das wurde auf Burg Rothenfels deutlich gesagt: Wir müssen weg vom Profitdenken, zurück zur Einfachheit. Den Reichtum in den Herzen unserer Kinder heranbilden. Daraus ist letztlich Glück und Zukunft zu schöpfen. Auffallend, dass unter den Teilnehmern viele alte Menschen waren. Angesichts des egoistischen Mainstreams könnte es ihnen doch egal sein, was aus der Zukunft wird. Aber sie stehen ein für die Jungen und für unser Land. Welch ein Verständnis von Generationenvertrag! Sie wollen Vorbilder sein für Mut, Opferbereitschaft, Wahrhaftigkeit, Unbestechlichkeit. Ihnen kann niemand vorwerfen, sie hätten dem Untergang stillschweigend und tatenlos zugesehen. Die Mütter stärken Nicht mit aggressiven Waffen wird dieser Kampf um die Zukunft der Familien gekämpft. Berechnung und politisch-taktisches Vorgehen führen in die Sackgasse. Auf Wahrheit basiert der Einsatz dieser Menschen – und auf Liebe. Und wo sonst ist die Liebe mehr verwurzelt als in der Mutter? Wer sonst kann Leben und Zukunft schenken, wenn nicht die Mutter? Stärken wir die Mütter, so stärken wir unser Land – das ist einer der Appelle, die von Burg Rothenfels ausgehen. Als konkretes Zeichen wurde von den Teilnehmern ein Memorandum mit Forderungen zur Verbesserung der Situation der Familien diskutiert und verabschiedet. Es wird nach einer letzten Überarbeitung dem Familienministerium und den Parlamentariern vorliegen. |