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Jürgen Liminski
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Mut für eine Zukunft mit Kindern. Wider die soziale Depression: von Jürgen Liminski Die Trends zur Auflösung von Ehe und Familie sind seit Jahren bekannt und
seit Jahren bemühen sich interessierte Kreise auch, diesem Elend positive
Seiten abzugewinnen. Unabhängigkeit der bewusst und gewollt Alleinlebenden,
ihre größeren Karrierechancen und ferneren Weltreisen, ihre Partylaune und
ihre stressfreien Zeiten. Gleichzeitig wird von dem politisch-medialen
Establishment, in dem die Kinderlosen weit überrepräsentiert sind, auch das
mühsame Leben in Familie dargestellt und wie man sich davon befreien kann,
indem man im Glück der beruflichen Selbstverwirklichung aufgeht, das dieses Eine absurde Welt. Der gesunde Menschenverstand nennt so etwas "totsparen"
oder "kaputtsparen". Und genauso nannte es auch Professor Paul Kirchhof am
selben Tag auf der Burg Rothenfels vor rund fünfhundert Zuhörern. Sie waren
zur Jahrestagung des Vereins Verantwortung für die Familie - Freundeskreise
Christa Meves (www.christa-meves.de) auf die Burg nahe Würzburg gekommen, um
Kirchhof und andere, nicht zuletzt Christa Meves selbst zu hören. Denn diese
Tagung widerspricht den Trends und der Philosophie des politisch-medialen
Establishments. Sie tat auch diesmal. Es kam schon im Titel zum Ausdruck: Dieses Weltbild dürfe nicht durch die einseitige Ausrichtung auf Erwerbstätigkeit verzerrt werden. "Wir müssen uns fragen: Wollen wir eine im Erwerb erfolgreiche oder eine im Kind vitale Gesellschaft sein?" Das Konzept dazu sei vorhanden, der "Reparaturbetrieb namens Bundesverfassungsgericht" habe mehr als ein Element dazu geliefert, auch und gerade im Rentenrecht mit Ansprüchen für die Mütter ("sie müssten im Alter die höchsten Ansprüche haben wegen der Leistung für die Zukunftssicherung aller"), aber es fehle momentan die Kraft, das Kapital so zu verteilen, dass Gerechtigkeit herrsche. Immer wieder wird "der Professor aus Heidelberg" durch spontanen Applaus unterbrochen, besonders stark brandet er auf, wenn er von den Müttern spricht. Auch bei den anderen Rednern, vor allem bei Christa Meves, führen die Mütterpassagen zu Beifallsstürmen und zeigen damit an, wie sehr gerade die Mütter in dieser Gesellschaft diskriminiert werden. Ein weiteres Defizit: Das Kind habe in dieser Demokratie keine Stimme. Das
Grundprinzip laute, ein Mensch eine Stimme. Das Kind sei ein Mensch, also
komme ihm eine Stimme zu und bis es voll geschäftsfähig sei, solange übten
die Eltern treuhänderisch dieses Recht aus. Apropos Eltern. Kirchhof
verteidigt vehement die Ehe, die "Hausgemeinschaft, die
Beistandsgemeinschaft. Ehe ist potenzielle Elternschaft". Der Schutz des Kirchhof ist davon überzeugt, dass der Generationenvertrag "von unseren Kindern und Enkeln nicht erfüllt werden wird, weil er nicht mehr erfüllt werden kann". Es werde darauf hinauslaufen, dass die Kinder die Beiträge für ihre Eltern werden verwenden wollen und dass die Kinderlosen für sich selbst mit Kapitalbildung werden vorsorgen müssen. Das müsse man "heute schon den Kinderlosen sagen, heute schon müssen wir den Generationenvertrag in Frage stellen". Ein kurze Rechnung mache das deutlich: Wenn man ab heute jährlich hundert Milliarden Euro Staatsschulden zurückzahle, dann bräuchte man 30 Jahre, bis alle Schulden getilgt seien. Aber man zahlt gar nicht zurück, sondern macht neue Schulden. Dies sei von den künftigen Generationen nicht mehr zu schultern. Stehend und mit donnerndem Applaus dankte das Publikum Kirchhof für den Vortrag. Solche Ovationen erntete dann nur noch Christa Meves, die, mittlerweile
82jährig, fast anderthalb Stunden referierte und ihrerseits Hoffnung
vermittelte. Sie sehe zwar viel Elend in ihrer Praxis und auf den
Vortragsreisen, aber sie sehe auch, gerade bei den jüngeren Jahrgängen,
einen stabilen familiären Hintergrund. Diese Gesellschaft sei "keineswegs
durchgängig kaputt". Es gebe gerade unter christlichen Familien und Von diesem Optimismus getragen waren auch die anderen Vorträge, etwa von Professor Hans Schiesser, der vor allem auf die unterschiedlichen Schulleistungen von Kindern abhob, die von der Mutter erzogen wurden oder die der Mutter entbehren mussten. Verblüffend die Ergebnisse aus Amerika: Dort sind "homeschool-kids" durchweg besser als andere, die Bewegung der "Schule zuhause" wachse entsprechend. Etwas aus diesem Rahmen elterlicher Zuversicht in die Zukunft der Gesellschaft geriet der Vortrag des früheren sächsischen Justizministers und Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, Steffen Heitmann, weil er - mutig vor diesem Publikum - resignierend anmerkte, dass das Problem der Abtreibung wegen des gesellschaftlichen Konsenses in dieser Frage nicht zu lösen sei. Dafür musste er sich einige kritische Fragen und Bemerkungen anhören. Sein nachfolgender Redner, Professor Manfred Spieker, wies in seinem Referat über die Kultur des Todes in Europa auf die unveräußerlichen Rechte des ungeborenen Kindes hin und auf Trends außerhalb Europas, dieser Kultur des Todes die Stirn zu bieten. Das Beispiel Amerika zeigt, dass dies möglich ist. Ja, Europa braucht dringend, wie man am Sonntag vielfach in Beiträgen hören konnte, einen Aufbruch zu einer christlichen Kulturrevolution. Da herrschte Konsens. Deshalb fand tags zuvor die Meinung von Steffen Heitmann über die Väter ("ich hoffe von den Müttern her, Väter können nichts tun") wenig Zustimmung. Gerade weil die Schalthebel der Gesellschaft meist von Männern betätigt werden, auf die der Vorwurf der Kinder- und Familienvergessenheit zutrifft, können und müssen Väter versuchen, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern und zwar im christlichen Geist. Wer die Begeisterung des Publikums, die Zuversicht auch und gerade der zahlreichen jungen Teilnehmer beobachtete, wer zudem die Initiativen sah, die sich vorstellten, etwa das Familiennetzwerk "Familie sind wir" (www.familie-sind-wir.de), das per Internet gegen die Verstaatlichung der Erziehung und gegen die "Ausbeutung des Mutterberufs" mobil macht, der konnte sich des Eindrucks kaum erwehren, dass von Burg Rothenfels, die schon manches Revolutionäre gehört hat, Impulse ausgehen für eine Erneuerung. Diese Erneuerung wird vielleicht noch dauern, aber sie wird auf jeden Fall christlich sein. Denn der Kraft und der Kohärenz des christlichen Menschenbildes, der Natur der Liebe, steht im besten Fall das Nichts gegenüber und das war noch nie von Dauer. Quelle: DT vom 18.07.2006 |